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Gemeinderat direkt: Gemeinsam mehr erreichen – in Binningen

Jeden Monat schreibt ein Mitglied des Gemeinderats einen Beitrag unter der Rubrik «Gemeinderat direkt». Die aktuelle Kolumne ist von Gemeinderat Lukas Alt.

Soziales und Asyl sind täglich präsente und zentrale Themen, die dennoch nur selten im Fokus der Öffentlichkeit stehen. Und das ist ehrlich gesagt auch gut so: Es zeigt, dass die Arbeit unserer Sozialdienste, unserer Verwaltung und unserer zahlreichen Freiwilligen still, verlässlich und wirksam geschieht. Dennoch möchte ich Ihnen heute einen offenen Blick hinter die Kulissen geben – auf das, was uns beschäftigt, was uns gelingt, und wohin wir uns als Gemeinde weiterentwickeln möchten.

Armut ist nah – auch in Binningen

Wenn Menschen an Binningen denken, denken sie an eine gepflegte Vorortsgemeinde mit hoher Lebensqualität, grünen Quartieren und guter Infrastruktur. Dieses Bild trügt nicht. Doch Armut macht nicht Halt vor Gemeindegrenzen, und sie versteckt sich oft hinter geschlossenen Türen.

Die gute Nachricht: Erfreulicherweise sinkt die Armutsquote in den letzten Jahren. Wir führen dies auf die gute Arbeitsmarktlage und auf die konsequente Umsetzung der kantonalen Armutsstrategie zurück. Die Sozialhilfebehörde und unser Sozialdienst arbeiten stetig daran, Menschen in schwierigen Situationen rasch und gezielt zu unterstützen.

Asyl: Wohnraum bleibt die grösste Herausforderung

Die Betreuung, Begleitung und finanzielle Unterstützung der Asylsuchenden wird durch den Sozialdienst der Gemeinde Binningen nach den kantonalen Richtlinien umgesetzt. Viele von ihnen sind beruflich und sozial gut integriert und können ihren Lebensunterhalt selbst bestreiten – eine Entwicklung, die uns freut und auf die wir gemeinsam hingearbeitet haben.

Die grösste strukturelle Herausforderung bleibt die Wohnraumknappheit. Binningen ist eine dicht besiedelte Gemeinde. Geeignete, bezahlbare Unterkünfte für Asylsuchende zu finden, ist entsprechend anspruchsvoll. Wir sind als Gemeinde gesetzlich verpflichtet, eine bestimmte Quote an Asylbewerbenden aufzunehmen und nehmen diese Verpflichtung ernst. Erfreulich ist, dass der Kanton die Entschädigungsregelungen für Gemeinden wie Binningen, die ihre Quote erfüllen, verbessert hat. Das gibt uns etwas mehr finanziellen Spielraum – auch wenn der Handlungsspielraum im Asylbereich insgesamt begrenzt bleibt, da die meisten Vorgaben von Bund und Kanton definiert werden.

Stärkere Zusammenarbeit mit den Nachbargemeinden

Ein Thema, das mich zunehmend beschäftigt und das ich aktiv vorantreibe, ist die vertiefte Zusammenarbeit mit unseren Nachbargemeinden. Denn auch unsere Nachbargemeinden stehen vor sehr ähnlichen Herausforderungen: knappes Wohnangebot, vergleichbare Bevölkerungsstrukturen und dieselben kantonalen Rahmenbedingungen. Gemeinsam sind wir stärker.

Ein ermutigendes Beispiel, das bereits zeigt, wohin die Reise gehen kann: Seit bereits mehr als zehn Jahren arbeiten Binningen, Bottmingen, Oberwil und weitere Gemeinden der Region eng mit Allschwil und Schönenbuch zusammen – etwa im Bereich des Zivilschutzes. Diese Kooperation ist mehr als eine organisatorische Massnahme; sie ermöglicht mehr Effizienz, besseren Informationsaustausch und ein stärkeres gemeinsames Signal. Diesen Geist der regionalen Zusammenarbeit lässt sich auch auf den Sozialbereich übertragen.

Im Bereich der Versorgungsregion Alter etwa existiert ebenfalls eine gemeinsame Struktur zwischen Allschwil, Binningen und Schönenbuch – die sogenannte Versorgungsregion ABS. Das zeigt: Wenn Gemeinden ihre Kräfte bündeln, entstehen tragfähigere Angebote, die einzelne Gemeinden alleine nicht stemmen könnten. Genau dieser Ansatz soll ausgebaut werden – sei es bei der Begleitung von Asylsuchenden, beim Angebot von Integrationsmassnahmen oder bei der Vernetzung von Freiwilligenarbeit.

Lokale Initiativen stärken

Bei aller notwendigen interkommunalen Zusammenarbeit bleibt das Herzstück der sozialen Arbeit das lokale Engagement. Der Offene Treffpunkt im Familienzentrum Binningen und die Freiwilligenbörse sind zwei Beispiele, die zeigen, was Engagement bewirken kann. Menschen begegnen sich, Isolation wird durchbrochen, und Menschen finden einen Anker im Alltag. Diese Angebote verdienen unsere Unterstützung und mehr Sichtbarkeit.

Der Gemeinderat ist dankbar für jede Person, die sich in Binningen freiwillig engagiert – sei es als Sprachbegleitung, als Patin oder Pate für eine asylsuchende Familie oder als einfache Anlaufstelle im Quartier. Diese wertvolle Unterstützung lässt sich nicht verordnen, aber sie kann und muss weiter gefördert werden.

Ausblick

Die Arbeit in meinem Ressort ist keine, die mit grossen Gesten aufwartet. Sie ist leise, kontinuierlich und oft unsichtbar. Und genau das ist ihr Wert. Ich werde mich weiterhin dafür einsetzen, dass Binningen seinem Anspruch als solidarische Gemeinde gerecht wird – nach innen, gegenüber den Schwächsten in unserer Mitte, und nach aussen, im konstruktiven Dialog mit unseren Nachbargemeinden.

Wer Fragen hat oder das Gespräch sucht, ist jederzeit willkommen.

Lukas Alt, Gemeinderat Geschäftskreis Soziale Dienste / Asyl