SRK BL - mitten unter uns: Ein Nachmittag, der Welten verbindet

In Binningen warten mehrere Kinder im Schulalter darauf, dass ihnen eine Person als Gotti oder eine Gastfamilie etwas Zeit und Aufmerksamkeit schenkt. Das Schweizerische Rote Kreuz Baselland (SRK BL) sucht Freiwillige, die sich auf eine unkomplizierte Weise für die soziale Integration engagieren möchten.

«Das war am 17. September 2024.» Rahma steht vor einem Massband, das an einem Schrank in der Wohnung von Ursula „Uschi“ B. hängt. Mit dem Finger zeigt sie auf eine Markierung. Ihre erste Grössenmessung. Ein Datum, das sie sich gemerkt hat. Nicht weil es besonders gefeiert wurde, sondern weil an diesem Tag etwas begann, das heute einen festen Platz in ihrem Leben hat.

Das Programm bringt Kinder aus Familien mit Migrationserfahrung mit freiwilligen «Gottis» oder Familien zusammen.

Rahma ist neun Jahre alt und lebt mit ihrer alleinerziehenden Mutter und drei Geschwistern. Zu Hause wird vor allem Arabisch gesprochen. Ihre Mutter arbeitet nachmittags und abends als Reinigungskraft. Zeit für gemeinsame Ausflüge oder Freizeitaktivitäten ist oft knapp.

Alle zwei Wochen steigt Rahma deshalb voller Vorfreude in das blaue Auto von Uschi. Die 78-Jährige holt sie nach der Schule ab. Was die beiden unternehmen, hängt davon ab, was Rahma an diesem Tag braucht oder wozu die Beiden Lust haben. Manchmal wird gepuzzelt oder Mikado gespielt. Manchmal geht es hinaus in den Wald, zu den Ziegen oder auf Entdeckungstour.

«Sie hat eine fröhliche Energie», erzählt Uschi. «Sie ist die Schnellste beim Rennen und kann am höchsten klettern.» Die Verbindung zwischen den beiden wirkt selbstverständlich. Doch sie ist das Ergebnis einer sorgfältigen Vermittlung im Angebot «mitten unter uns» des Roten Kreuz Baselland. Das Programm bringt Kinder aus Familien mit Migrationserfahrung mit freiwilligen «Gottis» oder Familien zusammen. Ziel ist es, die deutsche Sprache zu sprechen, Kindern zusätzliche Erfahrungsräume zu eröffnen und damit ihre soziale Teilhabe zu fördern.

Bei Rahma und Uschi ist aus einem ersten Besuch weit mehr geworden: In der Wohnung steht eine Spielkiste, die nur Rahma gehört. Darin liegen Malutensilien, Spiele oder kleine Überraschungen. Ihre Grössenmessungen dokumentieren ihr Heranwachsen. Rahma hat einen Platz gefunden. «Ich möchte ihr Orte, Traditionen und Aktivitäten zeigen, die sie sonst vielleicht nicht erleben würde», sagt Uschi. «Wenn Kinder im familiären Umfeld bleiben, bewegt man sich manchmal nur in der eigenen Kultur. Ich möchte ihr Möglichkeiten zeigen und Türen öffnen.» Gemeinsam waren sie bereits im Zolli Basel, an Kinderveranstaltungen, im Tierheim, bei der Kirschernte, in der Storchenstation oder an regionalen Festen. Solche Erlebnisse erweitern nicht nur den Horizont von Rahma. Sie schaffen Erinnerungen und Zugehörigkeit.

Besonders gern erinnern sich beide an einen Besuch im Schwimmbad in Magden. «Sie tauchte immer wie ein Fischchen und war dann wieder weg», erzählt Uschi lachend. Die Verantwortung habe sie damals durchaus gespürt. Gleichzeitig zeigt die Erinnerung, wie viel Vertrauen zwischen den beiden gewachsen ist. Auch der Kontakt zur Familie ist eng geworden. Uschi wird beim Abholen von Rahma oft zum Tee eingeladen, Rahmas Mutter war ihrerseits auch schon bei ihr zu Besuch. «Sie ist eine beeindruckende Frau», sagt Uschi. «Ich schätze den Austausch mit ihr sehr.»

Für die pensionierte Forscherin, die früher am Universitätsspital Basel tätig war, ist das Engagement keine Einbahnstrasse. Eigene Kinder hat sie keine. Umso mehr geniesst sie die gemeinsame Zeit mit Rahma. «Es ist sehr bereichernd», sagt sie. «Aber natürlich braucht es die richtige Verbindung. Wir hatten von Anfang an Vertrauen zueinander.»

Genau diese Beziehungen sind das Herzstück von «mitten unter uns». Sie entstehen nicht zufällig. Die Vermittlungen werden durch fachlich ausgebildete Koordinatorinnen begleitet. Gemeinsam mit den Freiwilligen wie auch den Familien wird sorgfältig geprüft, welche Form der Begleitung gut passen könnte.

Die Nachfrage nach dem Angebot ist gross. Gleichzeitig wird es zunehmend schwieriger, neue Freiwillige zu gewinnen. Menschen unterschätzen vielleicht, wie viel sie mit ihrem Dasein bewirken können. Die Geschichte von Rahma und Uschi zeigt, dass aus einigen Stunden regelmässiger gemeinsamer Zeit weit mehr entstehen kann: Vertrauen, Zugehörigkeit, kulturelle Brücken und neue bereichernde Erfahrungen für beide Seiten.

Damit Kinder wie Rahma weiterhin von solchen Beziehungen profitieren können, ist das Angebot auf engagierte Freiwillige angewiesen. Soziale Integration beginnt oft nicht mit grossen Projekten, sondern mit einer offenen Tür, einem freien Nachmittag und einem Menschen, der sagt: Du bist willkommen.

Das Programm «mitten unter uns» bringt Kinder aus Familien mit einem herausfordernden Alltag mit Freiwilligen zusammen. Sie treffen sich jede Woche oder alle 14 Tage für zwei bis drei Stunden und unternehmen gemeinsam Freizeitaktivitäten. Kinder unter vier Jahren werden von ihren Müttern begleitet. Mehr Informationen zu «mitten unter uns» sowie weitere Programme finden Sie auf der Website des Roten Kreuz Baselland unter «Mitmachen»: www.srk-baselland.ch/mitten-unter-uns