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Gemeinderat direkt: Wir sind Binningen!

Jeden Monat schreibt ein Mitglied des Gemeinderats einen Beitrag unter der Rubrik «Gemeinderat direkt». Die aktuelle Kolumne ist von Gemeinderat Marc Schinzel.

Der 14. Juni war ein prägender Tag der direkten Demokratie in der Schweiz. Neben der Ersatzwahl in den Baselbieter Regierungsrat konnten wir über Vorlagen im Bund, im Kanton und in unserer Gemeinde befinden. Am meisten bewegten in Binningen die SVP-Volksinitiative «Keine 10-Millionen-Schweiz» und die kommunale Abstimmung über die Quartierplanung Spiesshöfli. Satte 64,38 % der Binninger Stimmberechtigten stimmten über die Initiative ab, und sogar 64,67 % entschieden über die Gemeindevorlage.

Das sind eindrückliche Zahlen. Sie spiegeln die in den Wochen zuvor auf Podien und in den Medien geführten intensiven Debatten zwischen Pro und Contra. Im «Binninger Wochenblatt» gab es seitenweise Zuschriften, wobei hier naturgemäss die kommunale Abstimmung im Zentrum stand. Das, liebe Leserinnen und Leser, ist erfreulich. Möglicherweise war einigen von Ihnen beim einen oder anderen Beitrag zu viel Emotionalität im Spiel. Das ist hinzunehmen, soweit der zwischenmenschliche Anstand gewahrt bleibt. Der Respekt vor unterschiedlichen Meinungen und die Bereitschaft, auch Kontrahenten integre Motive zuzubilligen, sind unabdingbare Voraussetzungen im demokratischen Prozess.

Ich staune immer wieder über das grosse gesellschaftliche und politische Engagement in Binningen. Eigentlich sind wir doch längst kein Dorf mehr, sondern – wie es in der Sprache der Statistiker, Raumplanungsexpertinnen und Polit-Auguren heisst – eine durchschnittliche Agglomerationsgemeinde, ausgerichtet auf das Zentrum Basel. Manchmal bemüht man noch das Bild vom «Speckgürtel», das auch nicht sonderlich dynamisch wirkt.

Klar haben wir Basilea ante portas. Ein verschworenes gallisches Dorf, in dem sich Asterix, Obelix und Co. mit Hilfe des zaubermächtigen Druiden Miraculix rebellisch gegen das römische Weltreich behaupten, sind wir auch nicht. Man kauft bei uns primär in den Grossverteilern ein und nicht mehr im Dorflädeli, in der «Metzg» oder der Bäckerei. Vieles früher Vertraute ist verschwunden. Auch einen klar erkennbaren Dorfplatz sucht man in Binningen vergeblich.

Und doch sind wir eine lebendige, vielfältige Gemeinschaft hier. Die Freude, sich für Binningen einsetzen zu können, ist spürbar: in den Vereinen und Schulen, beim Sport und beim Musizieren in unterschiedlicher Zusammensetzung, beim Gewerbe, in unserer Bibliothek, in den Familien-, Spiel- und Jugendeinrichtungen, bei der Feuerwehr und der Gemeindepolizei, bei der Pflege unserer Naturreservate, der heimischen Kultur und der lokalen Geschichte, in unseren Wohn- und Betreuungseinrichtungen, in den hiesigen Restaurants mit ihrer meist langen Tradition, am Banntag, am Binninger Märt, an der Fasnacht, in unseren Kirchen, im Einwohnerdienst und anderen, hinter den Kulissen wirkenden Abteilungen der Gemeindeverwaltung, in der Bürgergemeinde, im Einwohnerrat und last but not least im Gemeinderat.

Unsere Gemeinde mit drei Sternen im Wappen und zweieinhalb Bädern (an das Gartenbad in Bottmingen zahlen wir am meisten) bewegt. Wir haben auch Nehmerqualitäten: Trotz dreimaligen Ausscheidens im «Donnschtig-Jass» hörte ich niemanden ernsthaft behaupten, wir könnten nicht jassen. Aller schlechten Dinge sind drei, heisst es, oder nicht? Das Schweizer Fernsehen wird wohl auch künftig mit Binninger Jasserinnen und Jassern rechnen müssen.

Keine Sorge: Sie dürfen sich in Binningen auch einfach entspannen und ruhig Ihr privates Leben führen, ohne sich gesellschaftlichem Tadel auszusetzen. Ein staatlich aufgezogenes Punktesystem für sogenannt nützliche Tätigkeiten, wie es die Volksrepublik China kennt, gibt es gottseidank nicht bei uns. Die Möglichkeit, sich einbringen, mitdiskutieren und unser Gemeinwesen auf unterschiedliche Weise mitgestalten zu können, ist aber beflügelnd und identitätsstiftend. Sie wirkt dem Zerrbild entgegen, die «dort oben» machten sowieso, was sie wollen, und es spiele gar keine Rolle, was man denke, sage und wie man abstimme. Vielleicht sollten wir uns fragen, ob solche Narrative allenfalls auch gezielt bewirtschaftet werden und wer ein Interesse daran haben könnte, Leute zu verunsichern. Genauso wenig, wie Sie einen Orientteppich an der Haustür kaufen, sollten Sie sich beliebigen, oft auch noch anonym auftretenden Selbstdarstellern ausliefern. Schwarz-Weiss-Malereien und oberflächliche Schlagworte gehen leicht von der Hand. Unser Binninger Geist, davon bin ich überzeugt, ist ein anderer. Zusammen können wir viel bewegen und Positives schaffen. Hier und jetzt!

Marc Schinzel, Gemeinderat
Ressort öffentliche Sicherheit, Kultur, Sport und Freizeit